Kompetenz vor Ort
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- Erstellt am Donnerstag, 10. Februar 2011 22:54
- Geschrieben von Frank Lübberding
Eine Musikus Verleihung in Salzkotten-Thüle
von Frank Lübberding
Kooperation ist ein einfaches Wort. Aber bisweilen schwierig umzusetzen. Es müssen die richtigen Menschen zusammenkommen. Sie brauchen eine gemeinsame Idee und Begeisterungsfähigkeit. Wie das in der Praxis funktioniert, kann man in Salzkotten-Thüle lernen. Die Menschen heißen hier Hiltrud Jahn vom Familienzentrum Kunterbunt, die Musikpädagogin Andrea Spehr, der Vorsitzende und der Geschäftsführer des Musikvereins Thüle, Martin Berhorst und Jürgen Fecke. Dazu kam die Ortsvorsteherin in Thüle, Marietheres Strunz, und ungenannte andere Personen im Umfeld des Familienzentrums: vom Elternrat über die Grundschule bis zur Stadtverwaltung. Alleine kann man nur wenig erreichen. Erst gemeinsames Handeln führt zu einem tragfähigen Projekt der musikalischen Frühförderung. Am 30. September gab es den verdienten Lohn: Das Familienzentrum Kunterbunt ist vom Volksmusikerbund NRW (VMB NRW) mit dem Musikus ausgezeichnet worden.Der Vorteil kurzer Wege
In der Rückschau hört es sich einfacher an als es war. Am Anfang stand ein Besuch des Musikvereins im Kindergarten. Der Musikverein Thüle ist in dem Golddorf gut etabliert. Mit 225 Mitgliedern, darunter 42 aktiven Musikern, hat er aktuell noch keine Nachwuchssorgen. Aber der Vorstand weiß, dass die Zahl der Kinder in Zukunft abnehmen wird. Das wird die Nachwuchsgewinnung schwieriger machen. Warum also nicht dort anfangen, wo die Kinder ihre ersten sozialen Erfahrungen machen? In Kindergärten und Familienzentren? Diese Idee fand Gehör. Erzieherinnen wissen um die positive Rolle des Musizierens für die Entwicklung der Kinder. Man hatte auch schon länger mit der Musikpädagogin Andrea Spehr zusammengearbeitet. Aber für ein größeres Projekt fehlten die räumlichen Voraussetzungen. Da passte es doch, dass der Musikverein in der zweiten Etage der Schule seine gut ausgestatteten Probenräume hat. Warum diese Räume nicht nutzen, so fragte man sich in Thüle? Vor allem wenn in dem Ortsteil von Salzkotten der Vorteil kurzer Wege genutzt werden kann. Schule und Familienzentrum liegen schließlich in unmittelbarer Nachbarschaft.
So baute man kurz entschlossen die Probenräume auf die Bedürfnisse von Kindern ab drei Jahre um. Seit dem finden dort verschiedene Kurse unter der Leitung von Frau Spehr statt. Das Konzept entspricht den Vorschlägen wie sie im Musikus Handordner des VMB NRW zu finden sind. Die Kleinen bis sechs Jahre werden in zwei Altersgerechten Gruppen spielerisch an die Musik herangeführt: Singen, Hören und Bewegung bilden ein ganzheitliches Konzept. Die ersten beiden Jahrgänge der Grundschule werden anschließend mit den grundlegenden Inhalten der Instrumentenkunde und Musiklehre bekannt gemacht. Diese Früherziehung schafft die Basis für die erfolgreiche Jugendausbildung des Vereins. Diese ist auf Kinder und Jugendliche ab zehn Jahre ausgerichtet. Eine Altersgrenze wie sie in den meisten Spielmannszügen und Musikvereinen zu finden ist. Durch die Kooperation mit dem Familienzentrum und der Grundschule bekommt der Verein eine musikalische Basis, die er vorher nicht zur Verfügung hatte. Der Aufbau eines Vororchesters ist konsequenterweise der nächste Schritt und entsprechend in Planung.
Vor Ort ist manches anders
Ein Familienzentrum leidet unter Raumnot und ein Erweiterung der bestehenden Einrichtung ist nicht in Sicht? Ein Musikverein hat Räumlichkeiten, weiß aber nicht wie er schon die ganz Kleinen für die Musik begeistern soll? Wie man in Thüle sieht: Solche Projekte haben viele Profiteure. Nicht zuletzt die Politik. Sie kennt den Nutzen der musikalischen Früherziehung für die Sozialisation unseres Nachwuchses. Das gilt für Städte und Gemeinden wie Salzkotten genauso wie für die große Politik, ob in Düsseldorf oder Berlin. Allerdings ist in Salzkotten etwas zu lernen: Es kommt auf die Menschen vor Ort an. Ihre Kooperation macht erst den Begriff Integration zu mehr als einem bloßen Schlagwort. Am grünen Tisch in fernen Ministerien sind solche Dinge schlecht planbar. In jeder Kommune, nein, sogar bisweilen in jedem Ortsteil, sind die Verhältnisse durchaus verschieden. Wie soll es dann einen Masterplan geben, der überall funktioniert? Dafür findet man vor Ort viel guten Willen - und eine große Kompetenz. Solche Initiativen zu unterstützen, ist das Ziel des Verbandes – unter anderem mit der Verleihung des Musikus an Familienzentren wie Kunterbunt in Salzkotten-Thüle.

